Wer sich selbstständig machen möchte, muss sich früher oder später auch mit dem Thema Versicherungen auseinandersetzen. Denn anders als bei Angestellten gelten hier ein paar besondere Regelungen, die du beachten musst, um dich und deine selbstständige Arbeit entsprechend abzusichern.
Doch bevor du jetzt panisch eine Versicherung nach der anderen abschließt, solltest du dich erstmal darüber informieren, welche Versicherung du als Selbstständige:r wirklich brauchst und welche nicht.
Auf dieser Seite findest du kompakte Informationen zu dem Thema Versicherungen für Selbstständige.
Inhaltsverzeichnis
Als Selbstständige:r ist es für dich wichtig, dich und deine Arbeit für den Extremfall abzusichern. Das betrifft sowohl deine körperliche Gesundheit, als auch potenziellen Schaden, der bei der Zusammenarbeit mit deinen Kunden entstehen kann.
Darüber hinaus ist es deine Aufgabe als Selbstständige:r, dich für die Zukunft abzusichern, denn anders als bei einem Angestelltenverhältnis zahlst du nicht automatisch einen Teil deines Verdienstes in die Rentenversicherung ein.
Welche Versicherung für Selbstständige am besten ist, hängt dabei sowohl von deiner Arbeit als auch deinem Einkommen und deiner Risikobereitschaft ab. Generell sind aber die folgenden Versicherungen für jeden Selbstständigen in Deutschland zu empfehlen:
Außerdem kann je nach Beruf auch eine zusätzliche Unfallversicherung sinnvoll sein.
➡️Hier findest du nochmal eine detaillierte Übersicht dazu, welche Versicherungen Freelancer haben sollten.
In Deutschland besteht eine Krankenversicherungspflicht. Das heißt, dass jeder Mensch mit einem offiziellen Wohnsitz in Deutschland auch Mitglied in einer Krankenversicherung sein muss. Dabei hast du die Wahl zwischen der gesetzlichen und der privaten Krankenkasse.
Angestellte sind automatisch über ihren Arbeitgeber versichert und ihre Krankenkassenbeiträge werden direkt von ihrem Lohn als Sozialabgabe an ihren Versicherer überwiesen. Selbstständige hingegen müssen sich selbst um ihre Krankenversicherung kümmern.
➡️Hier findest du ein paar Hintergrundinformationen zur Krankenversicherung in Deutschland
💡 Gut zu wissen: Wenn du dein Geld mit selbstständiger künstlerischer oder publizistischer Arbeit verdienst, dann musst du dich in der Künstlersozialkasse (KSK) versichern. Wenn du also Künstler oder Publizist bist, dann bist du dazu verpflichtet, dich um eine Aufnahme in der KSK zu kümmern.
➡️ Mehr Infos zur Künstlersozialkasse findest du hier
Als Selbstständige:r hast du die Wahl, ob du dich gesetzlich oder privat versichern möchtest. Die gesetzliche Krankenversicherung ist dabei ein Solidarsystem, das heißt, dass jeder Antragsteller aufgenommen wird und alle Versicherten gleich behandelt werden.
Die Höhe der Krankenkassenbeiträge berechnet sich nach deinem Einkommen. Grundsätzlich musst du 14,6% deines Einkommens an die Krankenkasse abgeben. Dazu kommt noch ein individueller Zusatzbetrag des jeweiligen Versicherungsunternehmen.
💡 Gut zu wissen: Der Krankenkassenbeitrag für selbstständige Geringverdiener wird nicht über den prozentualen Satz berechnet, sondern mit einem festen Mindestbeitrag. Dieser Betrag liegt 2023 bei 180€.
Während du als Selbstständige:r die Wahl zwischen gesetzlicher und privater Versicherung hast, ist das bei Angestellten nicht der Fall. Tatsächlich dürfen sich nur Beamte, Studenten und Angestellte mit einem Einkommen von mehr als 64.350 Euro brutto (Stand 2022) jährlich privat versichern.
Private Versicherungen werben oftmals damit, dass ihre Mitglieder schneller Termine und Zugang zu Fachärzten bekommen sowie bei einem Krankenhausaufenthalt besonderen Komfort, beispielsweise durch ein Einzelzimmer und Chefarztbehandlungen, genießen.
Dementsprechend sind die Gebühren oftmals auch höher - und nicht jeder Antragsteller wird auch in die private Krankenversicherung aufgenommen. Vielmehr haben die Versicherungsunternehmen das Recht, einen Antragsteller abzulehnen, zum Beispiel aufgrund einer Vorerkrankung.
Selbstständige müssen sich ebenfalls eigenständig um ihre Absicherung im Alter kümmern. Denn während Angestellte automatisch über ihren Arbeitgeber in die Rentenversicherung einzahlen, gibt es keine Grundrente für Selbstständige.
Dabei hast du erneut die Wahl zwischen der gesetzlichen und einer privaten Rentenversicherung.
➡️Rente und Selbstständigkeit: Diese Optionen stehen dir zur Verfügung
Je nachdem, was für eine selbstständige Arbeit du ausübst, solltest du dich auch um eine Haftpflichtversicherung für Freiberufler kümmern. Denn als Freiberufler kann es durchaus vorkommen, dass Vermögensschäden entstehen, für die du zahlen musst, wenn du nicht dagegen abgesichert bist.
Wenn du zum Beispiel als freiberufliche Grafikdesignerin arbeitest und einen Flyer für eine Veranstaltung gestaltest, auf dem du ein falsches Datum nennst, können deinem Kunden dadurch erhebliche Einnahmen verloren gehen. Um dich für solch einen Fall abzusichern, solltest du dich um eine Freiberufler Haftpflicht bemühen.
Wenn du selbstständig arbeitest und auf einmal aufgrund einer Erkrankung oder anderer Umstände für eine längere Zeit nicht mehr arbeiten kannst, bist du ohne eine selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherung nicht abgesichert. In diesem Fall erhältst du vom Staat keinerlei unterstützende Zahlungen, um deinen finanziellen Ausfall in dieser Zeit auszugleichen.
Wenn du jedoch eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen hast, dann erhältst du für die Zeit, in der du nicht arbeiten kannst, einen monatlichen Betrag von deiner Versicherung.
Wenn du als Freelancer nicht unfallversichert bist, musst du im Falle eines Unfalls die Kosten für die Behandlung und Rehabilitation selbst tragen. Im schlimmsten Fall kann das deinen finanziellen Ruin bedeuten.
Deshalb sollten Freelancer, die oft bei Kunden im Büro sind oder beispielsweise aufgrund einer handwerklichen Tätigkeit auf Baustellen arbeiten, den Abschluss einer gesetzlichen Unfallversicherung für Selbstständige in Erwägung ziehen.
Als Selbstständige:r kannst du viele Versicherungsbeiträge am Ende des Jahres von der Steuer absetzen.
Dabei sind Versicherungen, die deine betrieblichen Risiken absichern, steuerlich voll absetzbar, wohingegen Versicherungen, die überwiegend private Risiken absichern, nur teilweise geltend gemacht werden können.
Im Normalfall sind die folgenden Versicherungen voll absetzbar:
Alle anderen Versicherungen sind nur als Sonderausgabe oder als Vorsorgeaufwand absetzbar. Dazu gehören die folgenden Versicherungen:
Diese Beiträge können in deiner Steuererklärung unter der Anlage „Vorsorgeaufwand” angegeben werden.
➡️Mehr Infos dazu, welche Versicherungen zu absetzen kannst, findest du in diesem Artikel.
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Autor - Tino Keller
Tino Keller ist der Mitbegründer von Accountable und möchte damit Steuern und Finanzen für Selbstständige revolutionieren.
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