Crowdfunding zählt zu den beliebten Finanzierungsmodellen für Produkt- und Projektideen. Hierbei kommen zum Beispiel klassisches Crowdfunding auf Spendenbasis, kredit- oder aktienbasiertes Crowdfunding oder auch Crowdfunding mit Gegenleistung in Frage. Je nach Finanzierungsmodell können verschiedene steuerliche Anforderungen gelten.
Wir erklären dir, wann du Crowdfunding-Einnahmen versteuern musst, welches Crowdfunding als steuerpflichtig gilt und wie sich mit Crowdfunding Steuervorteile nutzen lassen.
Crowdfunding bedeutet Schwarmfinanzierung und bezeichnet eine Methode zur Finanzierung von Projekten, Produkten, Startup-Gründungen, Immobilien oder Dienstleistungen. Hierbei legen deine Unterstützer:innen Beträge in individuellen, freiwilligen oder vorgegebenen Höhen zusammen. Die Finanzierung erfolgt häufig über spezielle Crowdfunding-Plattformen online. Bekannte Anbieter für Crowdfunding-Plattformen umfassen Kickstarter, Patreon, Indiegogo oder GoFundMe.
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Welches Steuerrecht für Crowdfunding gilt, hängt unter anderem vom Crowdfunding-Modell ab. Zu gängigen Finanzierungsmodellen per Crowdfunding zählen:
Ob du Crowdfunding versteuern musst, hängt von der Art des Crowdfundings, von der Höhe der Geldbeträge, von deiner Rechtsform (beispielsweise Verein, GbR, UG) sowie von deinem oder vom Wohnsitz deiner Schwarmfinanzierer:innen ab. Einnahmen aus Finanzierungsrunden können zum Beispiel der Umsatzsteuer, Einkommenssteuer, Schenkungssteuer oder der Körperschaftssteuer unterliegen. Die folgenden grundsätzlichen Regeln musst du beachten:
Folgende steuerliche Aspekte solltest du beim Crowdfunding je nach Art beachten:
„Crowdinvesting bietet viele Chancen, aber im Detail ist die steuerliche Behandlung stark abhängig von deiner Rechtsform.“
Sophia Merzbach - Steuer Coach, Autorin, Content Marketing Managerin
Je nach Finanzierungshöhe, Rechtsform und Fallkonstellation spielen folgende Steuern für Crowdfunding eine Rolle:
Da es sich bei Steuerpflichten und Steuerbefreiungen im Zusammenhang mit Crowdfunding um ein komplexes Thema handelt, empfiehlt es sich, vor einer Crowdfunding-Kampagne eine:n Steuerberater:in hinzuzuziehen.
Lisa startet ein Crowdinvesting für ihr neues Bio-Kosmetikprodukt:
Markus sammelt spendenbasiert für ein Schulkonzert bei einer gemeinnützigen NGO.
Eine UG nimmt über Crowdlending 100.000 Euro auf, du zahlst monatlich Zinsen.
Grundsätzlich können Geldbeträge bei Crowdfunding nach Steuerrecht als Spende oder Sonderausgabe gelten und steuerlich absetzbar sein. Dafür müssen jedoch verschiedene Bedingungen erfüllt werden. Die Spende darf nicht mit einer Gegenleistung oder dem eigenen Betriebszweck zusammenhängen. Zudem muss sie der oder die steuerbegünstigte Geldempfänger:in durch eine Zuwendungsbestätigung bestätigen. Der oder die Geldempfänger:in muss darüber hinaus zu gemeinnützigen, sozialen, kirchlichen, öffentlichen, kulturellen oder politischen Organisationen und Vereinen zählen.
Für Projektbetreiber:innen mit gemeinnützigen, sozialen und wohltätigen Zielen sind Spenden grundsätzlich steuerfrei. Im Bereich Zweckbetrieb und Vermögensverwaltung von steuerbegünstigten Organisationen kann hingegen eine Umsatzbesteuerungsbefreiung oder -ermäßigung vorliegen, wenn Umsätze unter der Freigrenze bleiben.
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Spenden sind eine Möglichkeit, um mit Crowdfunding Steuern zu sparen. Ob eine Crowdfunding-Zuwendung als Spende gilt, hängt von komplexen Faktoren ab. Dazu zählt die Frage, ob der oder die Spendenempfänger:in oder Projektinitiator:in eine steuerliche Zuwendungsbestätigung nach § 50 der EStDV (Einkommensteuer-Durchführungsverordnung) ausstellen darf.Initiator:innen und Geldempfänger:innen dürfen gemäß gemeinnützigkeits- und spendenrechtlichen Regeln Zuwendungsbestätigungen ausstellen, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:
„Spenden über Crowdfunding sind nur dann steuerlich absetzbar, wenn eine Zuwendungsbestätigung gemäß EStDV vorliegt und die Organisation gemeinnützig ist.“
Sophia Merzbach - Steuer Coach, Autorin, Content Marketing Managerin
Neben den klassischen Fragen rund um Umsatzsteuer, Einkommensteuer oder Schenkungssteuer gibt es noch einige zusätzliche Punkte, die du beim Crowdfunding beachten solltest. Sie können im Alltag entscheidend sein, wenn es darum geht, deine Kampagne steuerlich korrekt zu behandeln.
Die meisten Crowdfunding-Plattformen behalten einen Teil der Einnahmen als Plattformgebühr ein. Diese Kosten kannst du in der Regel als Werbekosten oder sonstige Betriebsausgaben steuerlich absetzen. Wichtig ist, dass du die Abrechnungen der Plattform sorgfältig dokumentierst und aufbewahrst.
Wenn du im Rahmen deiner Crowdfunding-Kampagne Produkte oder Gegenleistungen an Unterstützer:innen im EU-Ausland versendest, musst du die Umsatzsteuer des jeweiligen Empfängerlandes abführen. Seit Juli 2021 gilt hierfür das sogenannte One-Stop-Shop-Verfahren (OSS): Damit kannst du deine EU-Umsatzsteuer zentral beim deutschen Finanzamt melden – anstatt in jedem Land einzeln.
Beim Crowdinvesting gibt es eine Besonderheit: Hält ein:e Investor:in mehr als 25 % Beteiligung, kann das Finanzamt die Einkünfte als gewerblich einstufen – auch wenn sie ursprünglich als private Kapitalerträge gedacht waren. Das kann Auswirkungen auf deine Steuererklärung haben und zusätzliche Pflichten nach sich ziehen.
Ganz gleich, welches Modell du wählst: Eine saubere Dokumentation deiner Einnahmen und Ausgaben ist Pflicht. Bewahre daher Zahlungsnachweise, Plattformabrechnungen, Bestätigungen und Belege systematisch auf. So bist du vorbereitet, falls das Finanzamt Nachfragen stellt – und kannst mögliche Steuervergünstigungen problemlos nachweisen.
Crowdfunding eröffnet vielseitige Finanzierungswege – von der Spende bis zur Beteiligung. Die steuerliche Behandlung hängt immer vom Modell, der Rechtsform und der konkreten Ausgestaltung ab. Du solltest dich deshalb frühzeitig steuerlich beraten lassen und auf klare Dokumentation achten. So vermeidest du Überraschungen und nutzt steuerliche Vorteile gezielt.
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Ist jede Crowdfunding-Einnahme umsatzsteuerpflichtig?
Nein. Nur bei Gegenleistungen. Spenden oder Zuschüsse ohne Gegenleistung bleiben in der Regel umsatzsteuerfrei, wenn kein Leistungsaustausch erfolgt.
Wie erkenne ich, ob Crowdinvesting steuerlich ein Gewinn ist?
Wenn du eine Gewinnbeteiligung erhältst, zählt das als Einkommen. Ob Einkommen‑ oder Körperschaftsteuer anfällt, hängt von deiner Rechtsform ab.
Wann ist Crowdfunding eine Schenkung?
Wenn der Betrag ohne Gegenleistung erfolgt und die Freigrenze (20.000 Euro pro Schenker:in in 10 Jahren) überschreitet, kann Schenkungssteuer anfallen. Bei gemeinnütziger Organisation meist unproblematisch.
Kann ich Crowdfunding-Betriebsausgaben absetzen?
Ja – z. B. Plattformgebühren, Versandkosten für Gegenleistungen oder Marketingkosten sind in der Regel Betriebsausgaben.
Was muss ich beim EU-Verkauf beachten?
Seit Einführung des OSS‑Verfahrens musst du Umsatzsteuer gegebenenfalls im Land des Kunden abführen. Hier ist eine Plattform- oder steuerliche Beratung wichtig.
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Autor - Robert Jödicke
Robert Jödicke ist ein erfahrener Steuerexperte und Autor bei Accountable, spezialisiert auf Steuertipps und Steuerersparnisse für Selbstständige.
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