Die Finanzierung ist für Selbstständige oft eine Herausforderung, da Banken strenge Kreditrichtlinien haben und Sicherheiten verlangen, die nicht jede:r bieten kann. Es gibt jedoch zahlreiche Möglichkeiten zur Finanzierung ohne Bank. Dieser Artikel stellt verschiedene Optionen vor, wie du deine Geschäftsideen ohne traditionelle Banken finanzieren kannst.
Eine Finanzierung ohne Bank umfasst alle Finanzierungsformen, bei denen Selbstständige Kapital erhalten, ohne einen klassischen Kredit bei einer Geschäftsbank aufzunehmen. Stattdessen kommen alternative Geldgeber wie private Investor:innen, spezialisierte Finanzdienstleister oder staatliche Förderstellen zum Einsatz.
Im Unterschied zu Bankkrediten stehen dabei nicht immer klassische Sicherheiten im Vordergrund. Häufig werden andere Kriterien bewertet, etwa laufende Umsätze, offene Forderungen, Wachstumsperspektiven oder das Geschäftsmodell selbst. Je nach Ausgestaltung kann es sich um Fremdkapital (z.B. Crowdlending, Factoring), Eigenkapital (z.B. Business Angels, Crowdinvesting) oder Mischformen handeln.
Für Selbstständige kann eine Finanzierung ohne Bank mehr Flexibilität bieten, geht jedoch oft mit höheren Kosten, anderen Risiken oder Mitspracherechten einher. Entscheidend ist daher, die jeweilige Finanzierungsform realistisch einzuordnen und zum eigenen Geschäftsmodell passend auszuwählen.
➡️ So machst du dich selbstständig: Unser Guide.
Beim Crowdlending, auch Peer-to-Peer-Kredite genannt, leihen dir private Geldgeber:innen Geld - ähnlich wie bei einem klassischen Kredit von einer Bank. Du zahlst das Darlehen über einen vereinbarten Zeitraum hinweg mit Zinsen zurück.
| Vorteile von Crowdlending | Nachteile von Crowdlending |
| Auch bei fehlenden klassischen Sicherheiten kann eine Finanzierung möglich sein | Zinsen können variieren und sind oft höher als bei traditionellen Krediten |
| Antragsprozesse sind oft weniger bürokratisch und schneller als bei traditionellen Banken | Im Gegensatz zu Crowdfunding muss das geliehene Geld inklusive Zinsen zurückgezahlt werden |
| Auch beim Crowdlending erfolgt meist eine Prüfung deiner Bonität |
💡 Neben Crowdlending und Crowdfunding gibt es auch Crowdinvesting, bei dem Investor:innen Kapital in dein Unternehmen investieren und im Gegenzug Anteile oder eine Gewinnbeteiligung erhalten, ohne dass du das Geld zurückzahlen musst.
➡️ Crowdlending: Finanzierungsoption für Selbstständige
Viele Selbstständige kennen das Problem: Du hast eine Leistung erbracht und eine Rechnung gestellt, aber das Geld lässt auf sich warten. Wenn du eine Finanzierung ohne Bank suchst, kann Factoring eine Lösung sein. Beim Factoring verkaufst du deine offenen Forderungen an ein Factoring-Unternehmen. Dieses zahlt dir sofort einen Großteil der Rechnungssumme aus und übernimmt das Risiko sowie das Forderungsmanagement.
In der Praxis erhältst du beim Factoring meist 80 bis 95 Prozent der Rechnungssumme sofort ausgezahlt. Der restliche Betrag folgt abzüglich der Gebühren, sobald der oder die Kund:in die Rechnung beglichen hat. Damit handelt es sich nicht um einen Kredit, sondern um eine umsatzbasierte Finanzierung, bei der bestehende Forderungen in Liquidität umgewandelt werden.
Factoring eignet sich vor allem für Selbstständige, die regelmäßig Rechnungen stellen und schnell auf liquide Mittel angewiesen sind. Besonders in Branchen mit langen Zahlungsfristen oder hohem Forderungsvolumen kann Factoring eine sinnvolle Option sein.
Das Factoring verbessert dein Liquiditätsmanagement, was wiederum dein Ranking bei Banken stärkt. Dadurch erhältst du später einfacher Kredite und bessere Finanzierungskonditionen, falls du in Zukunft doch einmal auf traditionelle Bankfinanzierungen zurückgreifen möchtest.
| Vorteile von Factoring | Nachteile von Factoring |
| Sofortiger Mittelzufluss statt langer Zahlungsziele | Gebühren und Abschläge reduzieren den Erlös aus der Rechnung |
| Gleichmäßiger Cashflow erleichtert die Finanzplanung | Teilweise Mindestumsätze oder Abnahmeverpflichtungen |
| Forderungsmanagement und Mahnwesen werden ausgelagert | Kund:innen erfahren, dass ein Factoring-Anbieter eingebunden ist |
| Beim echten Factoring Schutz vor Zahlungsausfällen |
➡️ Factoring: Sinnvoll für Selbstständige und Freelancer?
Bei der Beteiligungsfinanzierung stellen Investor:innen Kapital zur Verfügung, ohne dass ein klassischer Kredit entsteht. Statt fester Rückzahlungsraten erhalten sie im Gegenzug Unternehmensanteile oder eine Beteiligung am wirtschaftlichen Erfolg. Für Selbstständige bedeutet das: Die Liquidität wird gestärkt, ohne den laufenden Cashflow durch monatliche Rückzahlungen zu belasten. Allerdings geht eine solche Finanzierung meist mit Mitspracherechten, Informationspflichten oder langfristigen Verpflichtungen einher.
Business Angels sind vermögende Privatpersonen, die in Startups und junge Unternehmen investieren. Es handelt sich bei Business Angels oft um erfahrene Unternehmende, die neben finanzieller Unterstützung auch ihre Expertise und ihr Netzwerk einbringen. Im Gegenzug erwarten sie Unternehmensanteile oder eine Gewinnbeteiligung.
Business Angels sind besonders für Gründer:innen interessant, die neben Kapital auch strategische Unterstützung benötigen. Achte darauf, einen Business Angel zu finden, der gut zu deinem Unternehmen und deiner Vision passt.
| Vorteile von Business Angels | Nachteile von Business Angels |
| Finanzielle Mittel plus unternehmerische Erfahrung | Reduzierung der eigenen Beteiligung |
| Zugang zu Kontakten, Kund:innen oder weiteren Investor:innen | Einfluss auf strategische Entscheidungen möglich |
| Häufig kein kurzfristiger Exit-Druck | Enge Partnerschaft kann auch zu Abhängigkeiten führen |
Beim Crowdinvesting beteiligen sich viele private Investor:innen mit kleineren Beträgen an einem Unternehmen. Anders als beim Crowdlending handelt es sich dabei in der Regel um Eigen- oder mezzaninähnliches Kapital, etwa in Form von stillen Beteiligungen oder partiarischen Darlehen.
Für Selbstständige kann Crowdinvesting interessant sein, wenn neben Kapital auch öffentliche Sichtbarkeit gewünscht ist. Gleichzeitig entstehen jedoch laufende Informationspflichten gegenüber den Investor:innen, und die rechtlichen Rahmenbedingungen sind komplexer als bei klassischen Krediten.
| Vorteile von Crowdinvesting | Nachteile von Crowdinvesting |
| Kein laufender Rückzahlungsdruck wie bei Krediten | Kapital ist nicht unbegrenzt verfügbar |
| Keine festen Tilgungsraten | Gewinnbeteiligung oder Exit-Erwartungen möglich |
| Entlastung bei Finanzierung und Wachstum | Abgabe von Anteilen und Mitspracherechten |
| Zugang zu Erfahrung, Netzwerk und Marktkenntnissen | Abhängigkeit von Investor:innen möglich |
➡️ Crowdinvesting und Steuern: Steuerliche Behandlung von Kapitalerträgen
„Beteiligungsfinanzierungen können die Eigenkapitalbasis von Selbstständigen stärken, verändern aber dauerhaft die Unternehmensstruktur. Die steuerlichne und gesellschaftsrechtlichen Folgen sollten vorab geprüft werden.“
Tino Keller - Gründer, CMO & Geschäftsführer Deutschland
Staatliche Förderungen bieten eine wertvolle Finanzierungsquelle ohne Bank für Selbstständige. Diese Programme unterstützen insbesondere bei der Existenzgründung mit direkten Zuschüssen, die (teilweise) nicht zurückgezahlt werden müssen. Zwei wichtige Programme sind:
Neben den bereits vorgestellten Finanzierungsformen gibt es noch weitere alternative Möglichkeiten, dein Unternehmen ohne Bankkredite zu finanzieren:
Finanzierungen ohne Bank unterscheiden sich nicht nur in ihrer Struktur, sondern auch in ihrer steuerlichen und buchhalterischen Behandlung. Während Zinsen und Gebühren aus Fremdfinanzierungen wie Crowdlending oder Factoring in der Regel als Betriebsausgaben gelten, haben Beteiligungsmodelle andere Auswirkungen auf Gewinnermittlung und Eigenkapitalstruktur.
Auch Förderungen sind steuerlich unterschiedlich zu behandeln: Einige Zuschüsse sind steuerfrei, andere erhöhen den steuerpflichtigen Gewinn. Entscheidend sind dabei Förderart, Zweckbindung und rechtliche Ausgestaltung. Für Selbstständige ist es daher wichtig, Finanzierungsentscheidungen nicht losgelöst von der Steuerplanung zu treffen, um spätere Nachzahlungen oder Liquiditätsengpässe zu vermeiden.
Eine Finanzierung ohne Bank kann für Selbstständige eine sinnvolle Alternative sein, wenn klassische Kredite nicht infrage kommen oder zu unflexibel sind. Ob Crowdlending, Factoring, Beteiligungsmodelle oder Förderungen – jede Finanzierungsform hat eigene Voraussetzungen, Kosten und Auswirkungen auf Liquidität und unternehmerische Freiheit.
Entscheidend ist, die gewählte Finanzierung realistisch in die eigene Geschäfts- und Liquiditätsplanung einzubetten. Eine Finanzierung ohne Bank ersetzt keine solide Kalkulation, kann aber helfen, Handlungsspielräume zu erweitern und Wachstum gezielt zu ermöglichen.
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Ist eine Finanzierung ohne Bank teurer als ein Bankkredit?
Nicht zwangsläufig, aber häufig. Alternative Finanzierungen sind oft flexibler, gehen jedoch mit höheren Zinsen, Gebühren oder Gewinnbeteiligungen einher. Ob sich das lohnt, hängt vom konkreten Nutzen und der Planung ab.
Welche Finanzierung ohne Bank eignet sich für Solo-Selbstständige?
Für Solo-Selbstständige kommen insbesondere Crowdlending, Factoring, Mikrokredite und bestimmte Förderprogramme infrage. Beteiligungsmodelle sind meist nur bei klaren Wachstumszielen sinnvoll.
Muss ich alternative Finanzierungen steuerlich berücksichtigen?
Ja. Zinsen, Gebühren oder Beteiligungen haben steuerliche Auswirkungen. Förderungen können steuerfrei oder steuerpflichtig sein, je nach Programm. Eine saubere steuerliche Einordnung ist wichtig.
Kann ich mehrere Finanzierungsformen kombinieren?
Ja, das ist in der Praxis sogar häufig sinnvoll. Förderungen lassen sich oft mit alternativen Finanzierungen kombinieren, solange die jeweiligen Bedingungen eingehalten werden.
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Autor - Robert Jödicke
Robert Jödicke ist ein erfahrener Steuerexperte und Autor bei Accountable, spezialisiert auf Steuertipps und Steuerersparnisse für Selbstständige.
Wer ist Robert ?Danke für dein Feedback!
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