Kostenlos testen

Steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung: Das müssen Selbstständige wissen

Geschrieben von: Sophia Merzbach

Aktualisiert am: Februar 13, 2025

Lesezeit: 4 Minuten

Logo RB

Stell dir vor, du sitzt an einem innovativen Projekt, vielleicht an einer neuen Software, einem smarten Gerät oder einer bahnbrechenden Dienstleistung. Deine Ideen sprudeln nur so heraus, und du siehst schon das Potenzial, wie dein Projekt die Branche revolutionieren könnte.

Doch dann kommt die Realität: Forschung und Entwicklung (F&E) kosten Zeit und Geld – und gerade als Selbstständige:r oder kleines Unternehmen hast du davon nicht unbegrenzt. Genau hier setzt der Staat an, um dir unter die Arme zu greifen. Warum? Weil deine Ideen und Innovationen nicht nur dein Unternehmen voranbringen, sondern auch die gesamte Wirtschaft.

Steuerliche Anreize für F&E-Aktivitäten jeder Unternehmensgröße

Der Staat möchte, dass du innovativ bist und investierst – und er möchte dich dafür belohnen. Zwar stellt der Bund eine breite Palette an unterschiedlichen Förderprogrammen zur Verfügung, die anspruchsvolle Forschungs- und Entwicklungsvorhaben finanziell unterstützen. Bis vor einigen Jahren wurden aber – im Gegensatz zu vielen anderen EU- oder OECD-Staaten (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) – Ausgaben für F&E zumindest steuerlich nicht begünstigt. Das hat sich mittlerweile geändert.

So gibt es nun auch in Deutschland spezielle steuerliche Anreize, die dir helfen sollen, die finanziellen Hürden zu überwinden. Dazu zählen für F&E-Investitionen vor allem die Forschungszulage und Abschreibungsmöglichkeiten. Darüber hinaus gibt es Förderprogramme und Zuschüsse, die nicht nur steuerlich vorteilhaft sind, sondern dir auch Liquidität verschaffen können.

Wichtig ist dabei zu wissen, dass diese Vorteile darauf abzielen, F&E in Deutschland insgesamt zu stärken – und das nicht nur in Großunternehmen, sondern gerade bei kleinen Unternehmen oder Selbstständigen.

Forschungszulagengesetz: Zentraler Baustein der F&E-Förderung

Besonders hervorzuheben ist das Forschungszulagengesetz (FZulG), das 2020 in Kraft trat und einen zentralen Bestandteil der F&E-Förderung bildet. Dieses Gesetz ermöglicht dir, eine steuerliche Förderung für F&E-Projekte zu beantragen – unabhängig von der Unternehmensgröße. Das FZulG wurde bereits zweimal angepasst, zu Ende März 2024 erhöhten sich die Fördersätze wie folgt:

  • F&E-Personalkosten: 25 bis 35 %
  • Auftragsforschung: 17,5 bis 24,5 %
  • Eigenleistung: 70 Euro pro Stunde
  • Ausgaben für notwendige Wirtschaftsgüter

Bei einer Bemessungsgrundlage von maximal 10 Millionen Euro ergibt sich daraus unter Nutzung aller Optionen ein Höchstförderbetrag von 2,5 bis 3,5 Millionen Euro – eine attraktive Unterstützung für deine F&E-Tätigkeiten, die du dir nicht entgehen lassen solltest.

➡️ Alles, was sonst noch wichtig ist, verrät dieser Artikel: Forschungszulagengesetz: Definition, Beantragung und Voraussetzungen

Steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten für F&E-Investitionen

Wenn du als Selbstständige:r oder kleines Unternehmen in Forschung und Entwicklung (F&E) investierst, sind steuerliche Abschreibungen ein weiterer Hebel, um deine Steuerlast zu reduzieren. Abschreibungen ermöglichen es dir, die Kosten für Investitionen über einen bestimmten Zeitraum verteilt steuerlich geltend zu machen. Dabei gibt es verschiedene Methoden und Regelungen, die speziell für F&E-Aufwendungen relevant sind.

Sofortabschreibungen für geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG)

Stell dir vor, du kaufst ein neues Gerät oder eine neue Software, um deine F&E-Projekte voranzubringen. Liegt der Anschaffungspreis unter einer bestimmten Grenze – derzeit bei 800 Euro netto –, kannst du diese Ausgaben sofort in voller Höhe als Betriebsausgabe absetzen.

➡️ Was sind geringwertige Wirtschaftsgüter?

Abschreibung von F&E-Anlagen und Ausrüstung

Für größere Investitionen, die über die Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter hinausgehen, etwa für Laborgeräte oder andere technische Anlagen, kommt die reguläre Abschreibung ins Spiel. Hierbei werden die Anschaffungskosten über die Nutzungsdauer der Wirtschaftsgüter verteilt. Für dich als Selbstständige:n bedeutet das, dass du den Wert der Anschaffung über mehrere Jahre hinweg in kleineren Beträgen absetzt.

Die Nutzungsdauer richtet sich nach den AfA-Tabellen (Absetzung für Abnutzung), die für verschiedene Arten von Wirtschaftsgütern spezifische Abschreibungszeiträume vorgeben. Bei technischen Geräten, die häufig in der F&E eingesetzt werden, kann die Nutzungsdauer beispielsweise bei fünf Jahren liegen.

➡️ Lineare und degressive Abschreibungen: Was du wissen solltest

Sonderabschreibungen für bestimmte Investitionen

Zusätzlich zur regulären Abschreibung kannst du in einigen Fällen auch Sonderabschreibungen in Anspruch nehmen. Diese erlauben es dir, innerhalb des Anschaffungsjahres einen höheren Anteil der Investitionskosten abzusetzen. Insbesondere im Kontext kleinerer und mittlerer Unternehmen (KMU) gibt es im Rahmen des § 7g EStG Möglichkeiten, bereits im Jahr der Anschaffung bis zu 20 % der Kosten als Sonderabschreibung zu nutzen.

💡Tipp von Accountable: Diese Sonderabschreibungen bieten dir die Flexibilität, steuerlich in den Jahren höher abzusetzen, in denen du hohe Gewinne erwirtschaftest, um die Steuerlast gezielt zu senken.

➡️ So geht die Abschreibung für Selbstständige

Kostenabzug für laufende F&E-Aufwendungen

Neben den Investitionen in F&E-Anlagen und -Ausrüstungen entstehen bei F&E-Projekten auch laufende Kosten. Diese Kosten können in vollem Umfang als Betriebsausgaben abgesetzt werden, was deine steuerliche Belastung ebenfalls erheblich mindern kann.

Abzug von Betriebsausgaben im Rahmen der Gewinnermittlung

F&E-Kosten können als Betriebsausgaben in deiner Gewinnermittlung angesetzt werden. Hierzu zählen beispielsweise:

  • Personalkosten: Wenn du Mitarbeiter:innen beschäftigst, die direkt an F&E-Projekten arbeiten, kannst du deren Gehälter und Sozialversicherungsbeiträge absetzen.
  • Materialkosten: Alle Ausgaben für Materialien, die in der Forschung und Entwicklung verwendet werden, sind steuerlich absetzbar.
  • Dienstleistungskosten: Beauftragst du externe Expert:innen oder Dienstleistende für spezifische F&E-Aufgaben, kannst du auch deren Rechnungen als Betriebsausgabe geltend machen.
  • Raumkosten: Wenn du eigene Räumlichkeiten für F&E nutzt oder entsprechende Flächen anmietest, kannst du auch diese Kosten ansetzen.

Diese Ausgaben reduzieren direkt deinen steuerpflichtigen Gewinn und damit deine Steuerlast. Es ist wichtig, alle F&E-Kosten sorgfältig zu dokumentieren, um bei eventuellen Rückfragen durch das Finanzamt eine klare Zuordnung zu gewährleisten.

Zuwendungen an Forschungseinrichtungen

Neben den direkten F&E-Kosten gibt es auch die Möglichkeit, Zuwendungen an öffentliche Forschungseinrichtungen steuerlich geltend zu machen. Spenden oder Mitgliedsbeiträge an anerkannte Forschungseinrichtungen können als Sonderausgaben abgezogen werden. Diese Regelung ermöglicht es dir, gemeinnützige Forschung zu unterstützen und gleichzeitig steuerliche Vorteile zu genießen.

Wichtig hierbei ist, dass du eine entsprechende Spendenbescheinigung erhältst und die Empfängerinstitution als gemeinnützig anerkannt ist. So kannst du zusätzlich zu deinen eigenen F&E-Aktivitäten auch durch Unterstützung externer Projekte von Steuervorteilen profitieren.

➡️ Sponsoring steuerlich absetzen: Vom Engagement profitieren

Fazit

Die steuerliche Förderung von Investitionen und Aufwendungen in Forschung und Entwicklung bietet dir vielfältige Möglichkeiten, deine Steuerlast zu senken und gleichzeitig in Innovationen zu investieren. Durch die Kombination von Abschreibungen, Betriebsausgaben und möglichen Zuwendungen für Kooperationspartner kannst du deine F&E-Kosten optimal geltend machen und so den finanziellen Spielraum für zukünftige Projekte vergrößern. Wichtig ist dabei, die geltenden Regelungen und Fristen zu beachten und alle Kosten sauber zu dokumentieren.

Neues E-book über den Einstieg in die Selbstständigkeit

20 Kapitel knallhart recherchiert und vom Steuerprofi geprüft

Kostenlos herunterladen
Sophia Author

Autor - Sophia Merzbach

Sophia ist seit vielen Jahren Teil des Accountable-Teams und verbindet journalistische Genauigkeit mit handfestem Steuerwissen.

Wer ist Sophia ?

Hast du gefunden, was du gesucht hast?

Das könnte dich auch interessieren

Brutto- und Netto-Einkommen für Selbstständige

Angestellte haben es leicht: Ein kurzer Blick auf die Lohnabrechnung genügt, um festzustellen, wie ...

Mehr erfahren

Was kann man als Selbstständiger von der Steuer absetzen?

Steuern absetzen als Selbstständiger – für viele ein leidiges Thema. Ob Chaos bei den Belege...

Mehr erfahren

Wie viel Geld sollte ich als Selbstständiger für Steuern beiseite legen?

Jeden Monat Geld für Steuern zurücklegen – klingt logisch, oder? Doch viele Selbstständige sind...

Mehr erfahren

Echte Erfahrungsberichte und Kommentare

Für mich als Kleinunternehmer ist der Preis ein bisschen hoch, aber für alles, was ich bekomme: alle Übersichten von Einnahmen und Ausgaben, die Funktionen rund um das Auto... ist es einfach top. Und das letzte Update zu den wiederkehrenden Ausgaben war hervorragend! Dankeschön.

Ardalan Zamanimehr

Die App ist super! Intuitiv und perfekt für Selbstständige. Leider ist meine Position noch zu exotisch für Accountable um genau diese Leichtigkeit auch in Anspruch zu nehmen. Es gibt noch keine einfache Lösung für Selbstständige mit zwei Steuernummern da zwei Berufe. Sollte sich das mal ändern, Wechsel ich von meinem Steuerberater wieder zu Accountable!

Viktor Rosin

Sehr freundlich und gezielte , verständliche Angaben und Erklärungen

Pascal Koopmann

Auf meine Anfrage habe ich sehr schnell eine sehr nette und kompetente Antwort bekommen. Die Mitarbeiterin hat mein als Verbesserungsvorschlag weitergegeben - und schon nach kurzer Zeit kam die Antwort, dass das entsprechende Feature eingearbeitet wurde. Tolle Arbeit!

Dr. Annika Krummacher

Sehr nette und kompetente Beratung - vielen Dank!

Annika Schirmer

Sehr gute App sehr einfach zu verstehen und leichte Bedienung

Johannes Sen

Schnelle Antwort mit Hilfestellung die das Problem sofort gelöst hat. Danke

Albert Friedrich Vontz

Meine Erfahrung mit Accountable ist wirklich klasse! Alles ist sehr übersichtlich und gut strukturiert und das Wichtigste: es funktioniert wie es soll! Es gibt online Webinare, einen KI Steuerberater der Zugriff auf die persönlichen Dokumente hat und die Steuer Coaches von welchen ich extrem begeistert bin. Sehr klare, ausführliche, vorausschauende und freundliche Antworten auf meine Fragen. Als selbsständiger Dienstleister fühle ich mich sehr gut aufgehoben und kann Accountable nur empfehlen.

Sven Schöffel

Ich finde es gut, dass ich als Kunde des Max Plans jetzt deutlich schnellere Antworten bekomme. Das war eine Zeit lang nicht zuverlässig so, umso positiver fällt mir die Verbesserung auf. Die Steuer Coaches sind stets bemüht zu helfen. Sie antworten freundlich, klar und lösungsorientiert. Ich bin damit wirklich sehr happy. Für mich war es außerdem die beste Entscheidung, meine Steuer selbst zu machen. Ich habe jetzt mehr Überblick über meine Zahlen und verstehe die Abläufe besser. Dadurch fühle ich mich deutlich sicherer, auch in der Kommunikation mit den Steuerbehörden. Ich kann Rückfragen schneller einordnen und gezielter reagieren. Das nimmt mir viel Stress und gibt mir das Gefühl, die Kontrolle zu haben. Der Live Call ist ein sinnvoller Zusatz. Du kannst offene Punkte direkt klären, ohne lange hin und her zu schreiben. Das spart Zeit und bringt schnell Klarheit. Fazit: Liebs 😊

Marco Richter

Top Team! Top Service!

Anonym