Kostenlos testen

Selbstständig im Direktvertrieb – Chancen nutzen, Herausforderungen verstehen

Geschrieben von: Sophia Merzbach

Aktualisiert am: Februar 13, 2025

Lesezeit: 4 Minuten

Logo RB

Der Direktvertrieb bietet dir eine attraktive Möglichkeit, dich selbstständig zu machen und dein Einkommen flexibel zu gestalten. Ob du Produkte persönlich präsentierst, Kund:innen zu Hause besuchst oder moderne digitale Vertriebswege nutzt – der direkte Verkauf eröffnet vielfältige Chancen, besonders für Quereinsteiger:innen. Dieser Leitfaden zeigt dir, wie du erfolgreich im Direktvertrieb startest, welche Formen sich anbieten und worauf du zu Beginn achten solltest.

Was versteht man unter Direktvertrieb?

Unter Direktvertrieb, auch direkter Vertrieb genannt, versteht man den Verkauf von Produkten oder Dienstleistungen direkt von der Hersteller:in an die Endkund:innen, ohne Zwischenhändler:innen einzuschalten. Wichtig ist dabei: Der Verkauf findet außerhalb deiner Geschäftsräume statt. Die Verkaufsorte können dabei ganz unterschiedlich sein.

Hinweis: Im Direktvertrieb werden die Produkte oder Dienstleistungen immer im Namen und auf Rechnung deines Unternehmens verkauft. Das bedeutet: Es gibt eine direkte Beziehung zwischen dir und deinen Kund:innen, und jeder Kaufvertrag wird unmittelbar zwischen euch abgeschlossen.

Welche Formen des Direktvertriebs gibt es?

Für dich nachfolgend eine Übersicht der wichtigsten Formen des Direktvertriebs. Dabei sind auch mediale Absatzmöglichkeiten berücksichtigt:

  1. Heimvorführung:
    Heimvorführungen, wie Tupperpartys oder Dessouspartys, gehören zu den beliebtesten Formen des Direktvertriebs. Hier treffen sich Interessierte in privater Atmosphäre, um Produkte direkt auszuprobieren und sich beraten zu lassen. Bekannte Anbieter sind Tupperware, Mary Kay oder Avon. Solche Treffen fördern durch Social Selling den Kauf, da viele Menschen von Freund:innen oder Bekannten schneller überzeugt werden.
  2. Heimdienst:
    Ein klassisches Beispiel für Heimdienste ist „Bo-Frost“, das Kund:innen regelmäßig mit Tiefkühlwaren beliefert. Ein ähnliches Modell nutzt „Eismann“. Aber auch regionale Anbieter, wie Obst- und Gemüsekistenlieferanten, setzen auf diesen Ansatz, um Kund:innen frische Produkte direkt nach Hause zu bringen.
  3. Kauf beim Vertreter:
    Beim Vertreterverkauf besuchen Handelsvertreter:innen Kund:innen zu Hause oder am Arbeitsplatz. Vorwerk mit seinen Staubsaugern und dem Thermomix ist ein Vorreiter dieses Modells. Weitere Beispiele sind Kirby-Staubsauger oder Versicherungsvertreter:innen, die nicht nur Produkte verkaufen, sondern oft auch Beratungen und Produktvorführungen anbieten.
  4. eCommerce:
    Im eCommerce wird der Direktvertrieb ins Internet verlagert. Plattformen wie Amway oder Ringana ermöglichen den Kauf von Produkten wie Nahrungsergänzungsmitteln oder Kosmetik direkt über Online-Shops. Oft werden diese Verkäufe mit sozialen Medien kombiniert, um eine größere Zielgruppe zu erreichen. Hier steht die Flexibilität im Vordergrund, da der gesamte Verkaufsprozess digital abläuft.
  5. Telefonverkauf:
    Diese Methode wird häufig von Hörgeräteanbietern, Energieunternehmen oder Zeitschriftenverlagen genutzt. Vom ersten Kontakt über die Beratung bis hin zum Abschluss eines Kaufvertrags erfolgt alles telefonisch. Obwohl diese Methode effizient sein kann, steht sie wegen aggressiver Verkaufspraktiken und rechtlicher Grauzonen häufig in der Kritik.
  6. Networking-Marketing:
    Auch bekannt als Multi-Level-Marketing (MLM), ist diese Form des Direktvertriebs auf den Verkauf von Konsumgütern und die Rekrutierung neuer Mitglieder ausgelegt. Bekannte Unternehmen wie Amway, Herbalife oder PM-International (FitLine-Produkte) setzen auf diese Methode. Teilnehmer:innen bauen ein Netzwerk auf und erhalten Provisionen für Produktverkäufe und die Anwerbung neuer Vertriebspartner:innen. Obwohl Network-Marketing legal ist, wird es oft mit illegalen Schneeballsystemen verwechselt.

Achtung: Pyramiden- und Schneeballsysteme

Diese Systeme konzentrieren sich nicht auf den Verkauf von Produkten, sondern auf Gewinne durch die Rekrutierung neuer Mitglieder. Pyramiden- und Schneeballsysteme sind in Deutschland strafbar (§ 16 Abs. 2 UWG). Sie locken mit Gewinnversprechen, die oft von der Anwerbung neuer Teilnehmer:innen abhängen. Unseriöse Anbieter verschleiern dies geschickt, daher solltest du vorsichtig sein, wenn der Fokus mehr auf der Mitgliederwerbung als auf dem Produktverkauf liegt.

Voraussetzungen für Selbstständigkeit im Direktvertrieb

Besondere Berufsausbildungen sind in der Regel nicht notwendig, um im Direktvertrieb erfolgreich tätig zu sein. Kaufmännische Grundkenntnisse können zwar hilfreich sein, sind aber nicht zwingend erforderlich. Viel wichtiger ist es, dass der jeweilige Vertriebspartner gute Produktschulungen anbietet. Diese sollten idealerweise kostenfrei oder höchstens zu Selbstkosten verfügbar sein.

Die persönlichen Eigenschaften, die du für eine erfolgreiche Tätigkeit im Direktvertrieb mitbringen solltest, lassen sich stichwortartig wie folgt zusammenfassen:

  • Freude am Umgang mit Menschen
  • Kommunikationsfreudigkeit
  • Bereitschaft zum Lernen
  • Risikobereitschaft
  • Flexibilität (z. B. bei Arbeitszeiten oder im Umgang mit Kund:innen)
  • Positive Einstellung zur Tätigkeit
  • Unternehmerisches Denken
  • Zielorientierung
  • Belastbarkeit (sowohl physisch als auch psychisch)
  • Zuverlässigkeit
  • Gelegentlich Teamfähigkeit

Gewerberechtliche Aspekte des Direktvertriebs

Wenn du im Direktvertrieb tätig sein möchtest, egal ob haupt- oder nebenberuflich, musst du ein Gewerbe anmelden oder möglicherweise eine Reisegewerbekarte beantragen. Nach § 55 Abs. 1 der Gewerbeordnung betreibt ein Reisegewerbe, wer außerhalb der eigenen Geschäftsräume Kund:innen anspricht, um ihnen Waren oder Dienstleistungen anzubieten oder abzukaufen.

Hinweis: Ein:e Handelsvertreter:in ist nach § 84 Abs. 1 des Handelsgesetzbuchs (HGB) eine selbstständige Person, die für ein anderes Unternehmen tätig ist und in dessen Namen sowie auf dessen Rechnung Geschäfte vermittelt oder abschließt. Als selbstständige:r Handelsvertreter:in kannst du deine Tätigkeit im Wesentlichen frei gestalten und deine Arbeitszeit selbst bestimmen.

Problem: Scheinselbstständigkeit im Direktvertrieb

Nicht jede Tätigkeit im Direktvertrieb ist automatisch selbstständig. Entscheidend ist nicht die Bezeichnung im Vertrag, sondern die tatsächliche Ausgestaltung der Arbeit. Wenn du formal als selbstständig giltst, in der Praxis jedoch wie ein:e Arbeitnehmer:in behandelt wirst, besteht die Gefahr, als „Scheinselbstständige:r“ eingestuft zu werden. In diesem Fall kannst du zum Beispiel keine Förderung durch das Arbeitsamt beanspruchen und wirst rechtlich als Arbeitnehmer:in mit allen entsprechenden Rechten und Pflichten betrachtet.

Ein wesentliches Kriterium für echte Selbstständigkeit ist deine persönliche Unabhängigkeit. Persönliche Abhängigkeit dagegen zeigt sich insbesondere durch:

  • Weisungsgebundenheit in zeitlicher, örtlicher oder sachlicher Hinsicht
  • Organisatorische Eingliederung in den Betrieb des Vertriebsunternehmens

Diese Merkmale weisen auf Scheinselbstständigkeit hin und machen deutlich, dass die Tätigkeit dann eher der eines:einer Arbeitnehmer:in entspricht.

➡️ Wie du Scheinselbstständigkeit vermeidest

Nebenberuflich im Direktvertrieb selbstständig machen

Wenn du planst, dich im Direktmarketing selbstständig zu machen, ist es sinnvoll, zunächst nebenberuflich zu starten, um das finanzielle Risiko zu senken und erste Erfahrungen zu sammeln. Dabei kannst du von der Kleinunternehmerregelung profitieren, sofern dein Umsatz unter den geltenden Grenzen liegt.

Hinweis: Derzeit (Stand 2024) liegt die Umsatzgrenze für das Vorjahr bei 22.000 EUR und im laufenden Jahr bei 50.000 EUR. Ab dem 1. Januar 2025 werden diese Grenzen auf 25.000 EUR für das Vorjahr und 100.000 EUR für das laufende Jahr angehoben. 

Neues E-book über den Einstieg in die Selbstständigkeit

20 Kapitel knallhart recherchiert und vom Steuerprofi geprüft

Kostenlos herunterladen
Sophia Author

Autor - Sophia Merzbach

Sophia ist seit vielen Jahren Teil des Accountable-Teams und verbindet journalistische Genauigkeit mit handfestem Steuerwissen.

Wer ist Sophia ?

Hast du gefunden, was du gesucht hast?

Das könnte dich auch interessieren

Brutto- und Netto-Einkommen für Selbstständige

Angestellte haben es leicht: Ein kurzer Blick auf die Lohnabrechnung genügt, um festzustellen, wie ...

Mehr erfahren

Was kann man als Selbstständiger von der Steuer absetzen?

Steuern absetzen als Selbstständiger – für viele ein leidiges Thema. Ob Chaos bei den Belege...

Mehr erfahren

Wie viel Geld sollte ich als Selbstständiger für Steuern beiseite legen?

Jeden Monat Geld für Steuern zurücklegen – klingt logisch, oder? Doch viele Selbstständige sind...

Mehr erfahren

Echte Erfahrungsberichte und Kommentare

Für mich als Kleinunternehmer ist der Preis ein bisschen hoch, aber für alles, was ich bekomme: alle Übersichten von Einnahmen und Ausgaben, die Funktionen rund um das Auto... ist es einfach top. Und das letzte Update zu den wiederkehrenden Ausgaben war hervorragend! Dankeschön.

Ardalan Zamanimehr

Die App ist super! Intuitiv und perfekt für Selbstständige. Leider ist meine Position noch zu exotisch für Accountable um genau diese Leichtigkeit auch in Anspruch zu nehmen. Es gibt noch keine einfache Lösung für Selbstständige mit zwei Steuernummern da zwei Berufe. Sollte sich das mal ändern, Wechsel ich von meinem Steuerberater wieder zu Accountable!

Viktor Rosin

Sehr freundlich und gezielte , verständliche Angaben und Erklärungen

Pascal Koopmann

Auf meine Anfrage habe ich sehr schnell eine sehr nette und kompetente Antwort bekommen. Die Mitarbeiterin hat mein als Verbesserungsvorschlag weitergegeben - und schon nach kurzer Zeit kam die Antwort, dass das entsprechende Feature eingearbeitet wurde. Tolle Arbeit!

Dr. Annika Krummacher

Sehr nette und kompetente Beratung - vielen Dank!

Annika Schirmer

Sehr gute App sehr einfach zu verstehen und leichte Bedienung

Johannes Sen

Schnelle Antwort mit Hilfestellung die das Problem sofort gelöst hat. Danke

Albert Friedrich Vontz

Meine Erfahrung mit Accountable ist wirklich klasse! Alles ist sehr übersichtlich und gut strukturiert und das Wichtigste: es funktioniert wie es soll! Es gibt online Webinare, einen KI Steuerberater der Zugriff auf die persönlichen Dokumente hat und die Steuer Coaches von welchen ich extrem begeistert bin. Sehr klare, ausführliche, vorausschauende und freundliche Antworten auf meine Fragen. Als selbsständiger Dienstleister fühle ich mich sehr gut aufgehoben und kann Accountable nur empfehlen.

Sven Schöffel

Ich finde es gut, dass ich als Kunde des Max Plans jetzt deutlich schnellere Antworten bekomme. Das war eine Zeit lang nicht zuverlässig so, umso positiver fällt mir die Verbesserung auf. Die Steuer Coaches sind stets bemüht zu helfen. Sie antworten freundlich, klar und lösungsorientiert. Ich bin damit wirklich sehr happy. Für mich war es außerdem die beste Entscheidung, meine Steuer selbst zu machen. Ich habe jetzt mehr Überblick über meine Zahlen und verstehe die Abläufe besser. Dadurch fühle ich mich deutlich sicherer, auch in der Kommunikation mit den Steuerbehörden. Ich kann Rückfragen schneller einordnen und gezielter reagieren. Das nimmt mir viel Stress und gibt mir das Gefühl, die Kontrolle zu haben. Der Live Call ist ein sinnvoller Zusatz. Du kannst offene Punkte direkt klären, ohne lange hin und her zu schreiben. Das spart Zeit und bringt schnell Klarheit. Fazit: Liebs 😊

Marco Richter

Top Team! Top Service!

Anonym