Während die öffentliche Diskussion um die Vier-Tage-Woche kontrovers geführt wird, testen manche Unternehmen das Ganze bereits in der Praxis aus – mit überraschenden Resultaten.
Auch für Freelancer:innen und Selbstständige stellt sich die Frage, ob eine Vier-Tage-Woche für sie praktikabel ist. Schließlich bedeutet weniger Arbeitszeit potenziell auch weniger Einkommen – oder mehr Workload in der verbleibenden Zeit.
Ein freier Tag unter der Woche – für viele Angestellte ein Traum, für Selbstständige tatsächlich oft eine reale Option. Ob für mehr Zeit mit der Familie, zur Erholung oder für persönliche Projekte: Selbstständige und Freelancer:innen können sich ihre Zeit in der Regel selbst einteilen. Wollen sie grundsätzlich nur vier Tage pro Woche arbeiten, kommen für sie hauptsächlich drei Modelle in Frage:
Werfen wir einen Blick auf die Vor- und Nachteile, in die in der Diskussion um die Vier-Tage-Woche immer wieder auftauchen:
| Vorteile | Nachteile |
| Mehr Freizeit und bessere Work-Life-Balance | Weniger abrechenbare Stunden pro Woche |
| Gesteigerte Produktivität durch höhere Fokussierung | Erhöhter organisatorischer Aufwand |
| Bessere Erholung kann langfristig zu mehr Leistung führen | Mögliche Akzeptanzprobleme bei Kunden |
| Flexible Zeiteinteilung und mehr Raum für persönliche Projekte | Notwendigkeit, Stundensatz ggf. deutlich zu erhöhen |
| Potenziell höhere Zufriedenheit und Motivation | Risiko von Verdichtung der Arbeitszeit und Stress |
Erste Studien zeigen, dass eine verkürzte Arbeitswoche die Produktivität steigern kann. Ein Praxisbeispiel liefert Microsoft Japan: Das Unternehmen testete 2019 die Vier-Tage-Woche – mit beeindruckendem Ergebnis. Die Leistung pro Mitarbeiter:in stieg im Testzeitraum um fast 40 Prozent.
Zudem wirkt sich ein zusätzlicher freier Tag positiv auf die physische und mentale Gesundheit aus. Eine britische Umfrage von 2022 ergab:
Eine Studie der Universität Münster untersuchte 2024 die praktischen Auswirkungen der Vier-Tage-Woche in Deutschland. An dem sechsmonatigen Pilotprojekt nahmen 45 Unternehmen aus verschiedenen Branchen teil. Auch hier sind die Ergebnisse überwiegend positiv:
Während manche den zusätzlichen freien Tag aus gesundheitlichen Gründen einführen, nutzen andere ihn, um Hobbys oder Weiterbildungen mehr Raum zu geben. Klar ist aber auch: Weniger Arbeitstage bedeuten nicht automatisch weniger Arbeit. Gerade Solo-Selbstständige müssen ihre Woche gut organisieren, um weiterhin wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben.
Ob sich die Vier-Tage-Woche lohnt, hängt letztlich von den individuellen Arbeitsweisen, der finanziellen Situation und der persönlichen Disziplin ab. Wer effizient arbeitet und sein Geschäftsmodell darauf ausrichtet, kann die Vorteile nutzen – doch ohne eine durchdachte Planung kann die Umstellung auch zur Belastung werden.
Eine verkürzte Arbeitswoche bedeutet in vielen Fällen auch weniger abrechenbare Stunden – eine Herausforderung, die vor allem Selbstständige berücksichtigen müssen. Wer sein Einkommen aufrechterhalten will, sollte frühzeitig kalkulieren und mögliche Anpassungen bei Stundensätzen oder Honorarmodellen prüfen.
Berechnungen zeigen, dass eine Stundensatz-Erhöhung von rund 42 Prozent erforderlich wäre, um die Einkommenseinbußen einer Vier-Tage-Woche auszugleichen. In der Praxis variiert dies jedoch je nach Branche und individuellem Geschäftsmodell. Während hochspezialisierte Berufe oft höhere Honorare durchsetzen können, sind in anderen Bereichen flexiblere Lösungen gefragt.
Eine Vier-Tage-Woche erfordert ein Umdenken in der Arbeitsweise. Weniger Zeit bedeutet, dass Abläufe effizienter gestaltet, klare Prioritäten gesetzt und unwichtige Aufgaben reduziert oder delegiert werden müssen. Wer produktiver arbeiten möchte, sollte sich auf die wirklich lukrativen Aufträge konzentrieren und Prozesse optimieren.
Die größte Herausforderung bei der Umstellung auf eine Vier-Tage-Woche liegt für Freelancer:innen in einem effizienten Zeitmanagement. Eine optimierte Arbeitsweise ist essenziell, um den verringerten Stundenumfang auszugleichen. Dabei setzen viele auf Automatisierung und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI). Durch smarte KI-Business-Tools lassen sich wiederkehrende Aufgaben – etwa das Beantworten von E-Mails oder administrative Tätigkeiten – stark vereinfachen oder sogar vollständig automatisieren.
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Damit eine Vier-Tage-Woche erfolgreich umgesetzt werden kann, ist eine transparente Kommunikation mit Auftraggeber:innen unverzichtbar. Kund:innen sollten frühzeitig über geänderte Verfügbarkeiten informiert werden, um Missverständnisse zu vermeiden. In vielen Fällen zeigt sich, dass eine offene Absprache auf Verständnis trifft – insbesondere, wenn die Erreichbarkeit zuverlässig geregelt ist.
Für Selbstständige hat eine Vier-Tage-Woche nicht nur Auswirkungen auf das Einkommen, sondern auch auf die steuerliche Situation. Da sie ihr Honorar selbst festlegen, beeinflussen Umsatz, betriebliche Ausgaben und steuerliche Abzüge direkt das verfügbare Nettoeinkommen.
Eine reduzierte Arbeitszeit kann beispielsweise zu einem geringeren Jahresumsatz führen, wodurch sich die Einkommenssteuerlast verringern könnte. Gleichzeitig sollten Selbstständige prüfen, ob Fixkosten – etwa für Krankenversicherung, Altersvorsorge oder betriebliche Ausgaben – weiterhin gut gedeckt sind. Wer seinen Stundensatz anpasst, sollte zudem auch die Auswirkungen auf die Umsatzsteuerpflichten berücksichtigen – vielleicht lohnt es sich, die Kleinunternehmer-Regelung in Anspruch zu nehmen?
Die Vier-Tage-Woche kann auch für Freelancer:innen funktionieren – vorausgesetzt, die Kalkulation stimmt. Wer bereit ist, Arbeitsprozesse zu überdenken, sich effizienter zu organisieren und seinen eigenen Wert realistisch einzuschätzen, kann von mehr Freizeit profitieren, ohne finanziell ins Straucheln zu geraten.
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Autor - Robert Jödicke
Robert Jödicke ist ein erfahrener Steuerexperte und Autor bei Accountable, spezialisiert auf Steuertipps und Steuerersparnisse für Selbstständige.
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