Die Festsetzungsfrist, auch Festsetzungsverjährung genannt, ist eine wichtige Verjährungsregelung im Steuerrecht. Sie bestimmt, bis wann das Finanzamt noch Steuerbescheide erlassen, ändern oder aufheben darf.
Läuft die Festsetzungsfrist etwa bei der Einkommensteuererklärung ab, sind keine Anpassungen mehr möglich – weder zu deinem Vorteil noch zu deinem Nachteil. Wir erklären die wichtigsten Regelungen.
Sobald die Festsetzungsfrist abgelaufen ist, kann das Finanzamt deine Steuerbescheide nicht mehr nachträglich korrigieren. Das bedeutet für dich als Selbstständige:r oder Freelancer:
Die gesetzliche Grundlage hierfür findest du in § 169 der Abgabenordnung (AO).
Neben der Festsetzungsverjährung gibt es noch andere wichtige Fristen im Steuerrecht:
Tipp von Accountable: Damit du nicht ungewollt Steuervorteile verschenkst oder in Nachzahlungsfallen tappst, solltest du immer im Blick behalten, wann deine Steuerbescheide bestandskräftig werden und welche Fristen für dich relevant sind.
Was kann man als Selbstständiger von der Steuer absetzen?
Die Dauer der Festsetzungsfrist hängt davon ab, um welche Art von Steuerfall es sich handelt:
Die Festsetzungsfrist beginnt grundsätzlich mit Ablauf des Kalenderjahres, in dem die Steuer entstanden ist.
Beispiel: Für das Steuerjahr 2024 startet die Frist am 31. Dezember 2024.
➡️ Steuerbescheid prüfen: Ist deine Steuererklärung richtig?
Wenn du eine Einkommensteuererklärung abgeben musst, beginnt die Frist nicht im unmittelbaren Folgejahr, sondern erst mit Ablauf des Jahres, in dem du die Erklärung eingereicht hast. Damit du das aber nicht endlos hinauszögern kannst, gibt es eine maximale Anlaufhemmung von drei Jahren.
Die normale Verjährungsfrist von vier Jahren startet nicht direkt nach dem Steuerjahr, sondern erst, wenn du deine Steuererklärung abgegeben hast – spätestens aber drei Jahre nach dem betreffenden Steuerjahr.
Beispiele:
Wenn du freiwillig eine Steuererklärung einreichst (z. B. um eine Rückerstattung zu bekommen), gilt die Anlaufhemmung nicht. Hier beginnt die Festsetzungsfrist ganz normal mit Ablauf des Steuerjahres. Das hat der Bundesfinanzhof (BFH) in einem Urteil von 2011 bestätigt.
Neben der Anlaufhemmung gibt es auch den steuerlichen Begriff der Ablaufhemmung. Er sorgt dafür, dass die vierjährige Festsetzungsverjährung in bestimmten Fällen nicht endet – das Finanzamt kann also länger auf deine Steuerangelegenheiten zugreifen. In folgenden Situationen verlängert sich die Festsetzungsfrist:
Legst du Einspruch gegen einen Steuerbescheid ein, bleibt die Frist so lange ausgesetzt, bis endgültig über den Einspruch oder eine mögliche Klage entschieden wurde.
Stellst du kurz vor Ablauf der Festsetzungsfrist einen Antrag auf Änderung deines Steuerbescheids (z. B. weil du eine steuerliche Vergünstigung übersehen hast), wird die Verjährung so lange gehemmt, bis das Finanzamt über deinen Antrag entschieden hat und kein Einspruch mehr möglich ist.
Falls die Steuerfahndung gegen dich ermittelt (z. B. wegen Steuerhinterziehung), verlängert sich die Festsetzungsfrist bis zum Abschluss des Verfahrens.
Hat das Finanzamt in deinem Steuerbescheid einen offensichtlichen Fehler gemacht (z. B. einen Zahlendreher), darf es diesen innerhalb eines Jahres nach Bekanntgabe des Bescheids korrigieren – selbst wenn die eigentliche Festsetzungsfrist in diesem Zeitraum bereits abgelaufen wäre.
💡Hinweis von Accountable: Die Ablaufhemmung kann in bestimmten Fällen dafür sorgen, dass du länger mit Steuerbescheiden oder Prüfungen konfrontiert wirst. Falls du also kurz vor Fristende steuerliche Korrekturen vornehmen willst oder dich gegen eine Entscheidung wehren möchtest, solltest du daran denken, dass dies die Verjährung hinauszögern kann.
Falls du eine Steuererklärung pflichtwidrig gar nicht oder verspätet abgibst, beginnt die Festsetzungsfrist nicht automatisch nach drei Jahren (Anlaufhemmung). Vielmehr kann das Finanzamt die Steuer beliebig lange festsetzen, bis du die Erklärung einreichst oder es anderweitig dazu kommt, die Besteuerungsgrundlagen zu schätzen. Das kann dazu führen, dass du auch nach vielen Jahren noch Nachzahlungen leisten musst.
Falls das Finanzamt dir eine Stundung gewährt, also eine vorübergehende Zahlungsaufschiebung, kann dies auch die Festsetzungsverjährung beeinflussen. Das Finanzamt darf dann unter Umständen länger auf deine Steuern zugreifen.
Für Selbstständige und Unternehmer:innen besonders relevant: Wenn eine Betriebsprüfung angekündigt oder begonnen wurde, läuft die Festsetzungsverjährung nicht ab! Stattdessen wird die Festsetzungsverjährung mindestens bis zum Abschluss der Prüfung ausgesetzt. Das bedeutet: Falls deine Steuererklärung eigentlich bald verjährt wäre, aber eine Außenprüfung läuft, kann sich die Festsetzungsfrist um Jahre verlängern!
Die maximale Festsetzungsverjährung für Steuerhinterziehung liegt zwar bei 10 Jahren, aber in der Praxis kann sie durch weitere Verzögerungen oder Ermittlungsverfahren sogar noch länger wirken. Das Finanzamt kann in schwerwiegenden Fällen (z. B. durch nachträgliche Entdeckung neuer Sachverhalte) eine erneute Fristverlängerung durchsetzen.
💡Tipp von Accountable: Falls du merkst, dass du in der Vergangenheit steuerlich etwas falsch gemacht hast, kann es sich lohnen, über eine strafbefreiende Selbstanzeige nachzudenken. Damit kannst du Nachzahlungen leisten, ohne rechtliche Konsequenzen fürchten zu müssen.
➡️ Abgabefrist für Einkommensteuererklärung verpasst: Das kannst du jetzt noch tun
20 Kapitel knallhart recherchiert und vom Steuerprofi geprüft
Kostenlos herunterladen
Autor - Robert Jödicke
Robert Jödicke ist ein erfahrener Steuerexperte und Autor bei Accountable, spezialisiert auf Steuertipps und Steuerersparnisse für Selbstständige.
Wer ist Robert ?Danke für dein Feedback!
Hilfreich
Angestellte haben es leicht: Ein kurzer Blick auf die Lohnabrechnung genügt, um festzustellen, wie ...
Mehr erfahrenSteuern absetzen als Selbstständiger – für viele ein leidiges Thema. Ob Chaos bei den Belege...
Mehr erfahrenJeden Monat Geld für Steuern zurücklegen – klingt logisch, oder? Doch viele Selbstständige sind...
Mehr erfahrenFür mich als Kleinunternehmer ist der Preis ein bisschen hoch, aber für alles, was ich bekomme: alle Übersichten von Einnahmen und Ausgaben, die Funktionen rund um das Auto... ist es einfach top. Und das letzte Update zu den wiederkehrenden Ausgaben war hervorragend! Dankeschön.
Ardalan Zamanimehr
Die App ist super! Intuitiv und perfekt für Selbstständige. Leider ist meine Position noch zu exotisch für Accountable um genau diese Leichtigkeit auch in Anspruch zu nehmen. Es gibt noch keine einfache Lösung für Selbstständige mit zwei Steuernummern da zwei Berufe. Sollte sich das mal ändern, Wechsel ich von meinem Steuerberater wieder zu Accountable!
Viktor Rosin
Sehr freundlich und gezielte , verständliche Angaben und Erklärungen
Pascal Koopmann
Auf meine Anfrage habe ich sehr schnell eine sehr nette und kompetente Antwort bekommen. Die Mitarbeiterin hat mein als Verbesserungsvorschlag weitergegeben - und schon nach kurzer Zeit kam die Antwort, dass das entsprechende Feature eingearbeitet wurde. Tolle Arbeit!
Dr. Annika Krummacher
Sehr nette und kompetente Beratung - vielen Dank!
Annika Schirmer
Sehr gute App sehr einfach zu verstehen und leichte Bedienung
Johannes Sen
Schnelle Antwort mit Hilfestellung die das Problem sofort gelöst hat. Danke
Albert Friedrich Vontz
Meine Erfahrung mit Accountable ist wirklich klasse! Alles ist sehr übersichtlich und gut strukturiert und das Wichtigste: es funktioniert wie es soll! Es gibt online Webinare, einen KI Steuerberater der Zugriff auf die persönlichen Dokumente hat und die Steuer Coaches von welchen ich extrem begeistert bin. Sehr klare, ausführliche, vorausschauende und freundliche Antworten auf meine Fragen. Als selbsständiger Dienstleister fühle ich mich sehr gut aufgehoben und kann Accountable nur empfehlen.
Sven Schöffel
Ich finde es gut, dass ich als Kunde des Max Plans jetzt deutlich schnellere Antworten bekomme. Das war eine Zeit lang nicht zuverlässig so, umso positiver fällt mir die Verbesserung auf. Die Steuer Coaches sind stets bemüht zu helfen. Sie antworten freundlich, klar und lösungsorientiert. Ich bin damit wirklich sehr happy. Für mich war es außerdem die beste Entscheidung, meine Steuer selbst zu machen. Ich habe jetzt mehr Überblick über meine Zahlen und verstehe die Abläufe besser. Dadurch fühle ich mich deutlich sicherer, auch in der Kommunikation mit den Steuerbehörden. Ich kann Rückfragen schneller einordnen und gezielter reagieren. Das nimmt mir viel Stress und gibt mir das Gefühl, die Kontrolle zu haben. Der Live Call ist ein sinnvoller Zusatz. Du kannst offene Punkte direkt klären, ohne lange hin und her zu schreiben. Das spart Zeit und bringt schnell Klarheit. Fazit: Liebs 😊
Marco Richter
Top Team! Top Service!
Anonym