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Als Reitlehrer selbstständig machen – das musst du wissen

Geschrieben von: Sophia Merzbach

Aktualisiert am: Oktober 2, 2025

Lesezeit: 6 Minuten

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Deine Leidenschaft sind Pferde – und du möchtest dein Wissen an andere weitergeben? Wir zeigen dir Schritt für Schritt, wie du dich als Reitlehrer:in erfolgreich selbstständig machst: von Ausbildung und Businessplan bis hin zu Steuern, Marketing und rechtlichen Stolperfallen.

Voraussetzungen für die Selbstständigkeit als Reitlehrer

Wenn du dich als Reitlehrer:in selbstständig machen möchtest, reicht es nicht, „nur“ gut reiten zu können. Du brauchst fachliche Qualifikation, praktische Erfahrung und die passenden Soft Skills.

Qualifikationen und Lizenzen

Der Begriff „Reitlehrer:in“ ist in Deutschland nicht geschützt – theoretisch könnte also jede:r Unterricht anbieten. Für ein professionelles Auftreten und um Kund:innen Vertrauen zu geben, sind jedoch offizielle Trainerlizenzen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) sehr sinnvoll.

LizenzFokusFür wenTypische InhalteKosten
Trainer C – Basissportsolider EinstiegFreizeit & VereinePädagogik, Methodik, Sicherheitca. 600–1.000 €
Trainer B – LeistungssportAufbau auf Cmit UnterrichtserfahrungTrainingsplanung, Turniervorbereitungca. 800–1.500 €
Trainer A – Leistungssporthöchste Stufesehr erfahrene Ausbilder:innenleistungsorientiertes Training, oft mehr Disziplinenab 1.500 €
Pferdewirtschaftsmeister:in (Reitausbildung)staatlich anerkannte BerufsausbildungProfi-Karriere & BetriebsführungUnterricht, Pferdeausbildung, Betriebsführungvariabel

💡 Tipp: Für den Einstieg reicht oft der Trainer C, vor allem wenn du dich auf Freizeitreiter:innen spezialisierst. Je höher deine Lizenz, desto besser kannst du dich aber im Markt positionieren – besonders bei ambitionierten Schüler:innen oder Vereinen.

Soft Skills: Was du mitbringen solltest

Neben der Ausbildung sind deine persönlichen Fähigkeiten entscheidend:

  • Pädagogisches Geschick: Wissen klar und verständlich vermitteln.
  • Geduld & Empathie: Umgang mit ängstlichen oder ehrgeizigen Schüler:innen.
  • Sicherheitsbewusstsein: Verantwortung für Mensch und Tier jederzeit im Blick.

Gesundheit und körperliche Belastung

Reitlehrer:innen verbringen viele Stunden draußen, oft bei jedem Wetter. Die Arbeit ist körperlich anspruchsvoll – Fitness und Belastbarkeit gehören also zur Grundausstattung.

Spezialisierungen und Reitweisen

Als Reitlehrer:in kannst du dich sehr breit aufstellen oder eine klare Nische besetzen. Viele Kund:innen suchen gezielt nach Unterricht in ihrer bevorzugten Reitweise – deshalb ist es sinnvoll, eine Spezialisierung zu wählen oder zumindest Schwerpunkte im Angebot zu setzen.

Klassisches Reiten

Dressur und Springen bilden die Grundlage – von Sitz und Hilfengebung bis zu fortgeschrittenen Lektionen. Hier findest du die meisten Kund:innen, besonders in Vereinen und bei Freizeitreiter:innen. Auch die klassisch-barocke Reitkunst fällt in diesen Bereich, mit Fokus auf Balance und feine Hilfen.

Alternative Reitweisen

  • Voltigieren (Turnen auf dem Pferd): beliebt bei Kindern, fördert Gleichgewicht und Teamarbeit.
  • Westernreiten: wachsender Trend, geprägt von Vertrauen und lockerem Sitz.
  • Distanzreiten: Mischung aus Sport und Naturerlebnis, Fokus auf Ausdauer und Tierwohl.
  • Gangreiten: z. B. mit Islandpferden oder Paso Finos, erfordert spezielles Know-how.

💡 Tipp: Ob du dich auf eine dieser Richtungen festlegst oder verschiedene Ansätze kombinierst, hängt von deiner persönlichen Erfahrung und deinem Marktumfeld ab. Klar ist: Mit einer Spezialisierung kannst du dich zielgerichteter vermarkten und dich von der Konkurrenz abheben.

Businessplan & Angebotsgestaltung

Wenn du dich als Reitlehrer:in selbstständig machen möchtest, ist ein solider Businessplan mehr als nur ein Pflichtdokument. Er hilft dir, deine Geschäftsidee zu strukturieren, deine Zielgruppe klar zu definieren und deine Finanzen realistisch einzuschätzen. Außerdem kann ein Businessplan wichtig sein, wenn du Förderungen oder einen Kredit beantragen willst.

Zielgruppen festlegen

Überlege genau, wen du ansprechen möchtest:

  • Kinder & Jugendliche: brauchen Geduld und pädagogisches Geschick.
  • Erwachsene Einsteiger:innen: suchen einen sanften Einstieg.
  • Fortgeschrittene Reiter:innen: erwarten gezieltes Training.
  • Reiter:innen mit eigenem Pferd: haben andere Bedürfnisse als Schüler:innen in Reitschulen.

Je klarer deine Zielgruppe, desto präziser kannst du deine Angebote und Preise gestalten.

Preismodelle entwickeln

Typische Einnahmenquellen sind:

  • Einzelunterricht: 25–60 € pro Stunde (abhängig von Region & Qualifikation).
  • Gruppenstunden: günstiger pro Person, dafür höhere Gesamteinnahmen.
  • Zusatzangebote: Ferienprogramme, Lehrgänge oder mobiler Unterricht (direkt bei den Kund:innen im Stall) gegen Aufpreis.

Tipp: Kalkuliere so, dass auch Vorbereitung, Fahrtkosten, Versicherungen, Weiterbildungen und weitere Fixkosten abgedeckt sind.

Standortwahl

Dein Geschäftsmodell hängt stark davon ab, wo du deine Reitstunden anbietest. Hast du eine eigene Anlage, kannst du mehr Kontrolle über dein Angebot ausüben, musst aber auch höhere Fixkosten einplanen. Alternativ kannst du mit bestehenden Reitschulen, Vereinen oder Pensionsställen kooperieren.

Finanzen realistisch kalkulieren 

Unterschätze deine Preise nicht! Mit 20 € pro Stunde lässt sich schwer ein nachhaltiges Einkommen erzielen. Faustregel: Plane rund 30 % deines Gewinns für Steuern und Abgaben ein – so vermeidest du finanzielle Engpässe.

💡 Tipp: Gerade im Pferdesport lohnt es sich, die Selbstständigkeit erst nebenberuflich auszuprobieren. So reduzierst du dein Risiko, behältst ein regelmäßiges Einkommen und kannst Schritt für Schritt einen Kundenstamm aufbauen. Viele Schüler:innen kommen über Empfehlungen – das braucht Zeit.

Rechtliches & Steuern

Wer sich als Reitlehrer:in selbstständig machen will, muss sich nicht nur um Pferde und Schüler:innen kümmern – auch die rechtlichen und steuerlichen Fragen sind entscheidend. Eine klare Einordnung deiner Tätigkeit sorgt dafür, dass du keine bösen Überraschungen erlebst.

Freiberuflich oder gewerblich?

Grundsätzlich gilt: Reitunterricht fällt in vielen Fällen unter die freiberufliche Tätigkeit. Das bedeutet, du musst kein Gewerbe anmelden, sondern meldest dich direkt beim Finanzamt an.

  • Freiberuflich: Unterrichtstätigkeit, also die reine Wissensvermittlung.
  • Gewerblich: Sobald du zusätzlich andere Leistungen anbietest, zum Beispiel Beritt (Ausbildung von Pferden), Pferdehaltung oder den Verleih von Schulpferden, gilt deine Tätigkeit meist als Gewerbe.

💡 Tipp: Frag im Zweifel beim Finanzamt oder einer Steuerberater:in nach – die Abgrenzung „Freiberuflich oder Gewerbe“ ist nicht immer eindeutig.

Anmeldung beim Finanzamt

Wenn du deine Tätigkeit aufnimmst, musst du den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung beim Finanzamt einreichen. Darin gibst du an:

  • Art der Tätigkeit (Reitunterricht, ggf. weitere Leistungen)
  • erwarteter Umsatz und Gewinn
  • ob du die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG nutzen möchtest

💡 Hinweis: Nach der Anmeldung bekommst du eine Steuernummer, die du auf deinen Rechnungen angeben musst.

Umsatzsteuer - ja oder nein?

Ob du als Reitlehrer:in Umsatzsteuer abführen musst, hängt von deiner Umsatzhöhe ab:

  • Kleinunternehmerregelung (§ 19 UStG): Wenn dein Umsatz im Vorjahr unter 25.000 € lag und im laufenden Jahr voraussichtlich nicht über 100.000 € liegt, kannst du dich von der Umsatzsteuer befreien lassen. Du stellst dann Rechnungen ohne Umsatzsteuer, darfst aber auch keine Vorsteuer ziehen.
  • Regelbesteuerung: Überschreitest du die Umsatzgrenzen oder verzichtest bewusst auf die Kleinunternehmerregelung, musst du 19 % Umsatzsteuer auf deine Rechnungen aufschlagen.

💡 Tipp: Hier erfährst du alles über die Kleinunternehmerregelung.

Typische Kosten & Betriebsausgaben

Wenn du dich als Reitlehrer:in selbstständig machst, solltest du dir früh einen Überblick über deine laufenden Kosten verschaffen. Viele Ausgaben kannst du steuerlich geltend machen – das senkt deine Steuerlast und sorgt dafür, dass dein Gewinn realistisch kalkuliert ist. Zu den typischen Kosten gehören:

  • Ausrüstung & Material: Longen, Hindernisse, Pylonen, Helme für Schüler:innen oder Lehrmaterialien.
  • Fort- und Weiterbildungen: Trainerlizenz, Erste-Hilfe-Kurse am Pferd, spezielle Schulungen (z. B. für Voltigieren oder Westernreiten).
  • Reisekosten: Fahrtkosten zu Ställen und Reitschüler:innen, Kilometergeld oder anteilige Autokosten.
  • Versicherungen: Betriebshaftpflicht, ggf. Unfallversicherung und weitere Absicherungen.
  • Werbung & Marketing: Website, Social Media, Flyer oder Anzeigen in Vereinsheften.
  • Miete & Stallgebühren: Falls du eigene Schulpferde hältst oder eine Reitanlage anmietest.

Beispielrechnung

Angenommen, du bietest 10 Reitstunden pro Woche an, jeweils für 40 €. Das ergibt im Monat rund 1.600 € Einnahmen.

Deine monatlichen Ausgaben könnten so aussehen:

  • Fahrtkosten (Kilometergeld): 150 €
  • Betriebshaftpflichtversicherung: 50 €
  • Weiterbildung & Fachliteratur: 50 €
  • Werbung & Website: 30 €
  • Material & Ausrüstung: 70 €

= 350 € Betriebsausgaben

Dein steuerpflichtiger Gewinn liegt damit bei 1.250 € pro Monat.

💡 Tipp: Denke daran, zusätzlich 30 % deines Gewinns für Steuern und Sozialabgaben zurückzulegen. So vermeidest du finanzielle Engpässe, wenn die Steuerzahlungen anstehen.

Versicherungen für Reitlehrer

Wer sich als Reitlehrer:in selbstständig macht, sollte nicht nur an Steuern und Kund:innen denken, sondern sich auch gegen Risiken absichern. Denn sobald du Unterricht gibst, trägst du Verantwortung – und im Schadensfall können die Kosten enorm sein.

Betriebshaftpflichtversicherung

Die wichtigste Versicherung ist die Betriebshaftpflicht. Sie schützt dich, wenn während deines Unterrichts ein Unfall passiert.

  • Beispiel: Eine Schülerin stürzt vom Pferd und verletzt sich. Oder ein Pferd scheut und beschädigt fremdes Eigentum.
  • Ohne Haftpflicht müsstest du die Kosten selbst tragen – im schlimmsten Fall mehrere zehntausend Euro.

💡 Hinweis: Die Beiträge beginnen meist bei 150–300 € pro Jahr, abhängig vom Umfang deiner Tätigkeit und ob du eigene Schulpferde einsetzt.

Krankenversicherung

Als Selbstständige:r entscheidest du selbst:

  • Gesetzliche Krankenversicherung (GKV).
  • Private Krankenversicherung (PKV)

➡️ Mehr dazu in unserem Ratgeber „Krankenversicherung für Selbstständige: Viele Optionen“.

Unfallversicherung

Auch wenn sie freiwillig ist: Eine private Unfallversicherung ist sinnvoll. Du arbeitest mit großen, starken Tieren, und ein Sturz oder Tritt kann schnell passieren. Die Versicherung springt ein, wenn du durch einen Unfall bleibende gesundheitliche Schäden erleidest.

Altersvorsorge & Rentenversicherungspflicht

Reitlehrer:innen können in die Rentenversicherungspflicht fallen, da Lehrtätigkeiten teilweise berücksichtigt werden. Das bedeutet: Du musst Pflichtbeiträge an die Deutsche Rentenversicherung zahlen. Kläre frühzeitig, ob das bei dir zutrifft.

Hinweis: Unabhängig davon solltest du unbedingt an deine Altersvorsorge denken – sei es durch die gesetzliche Rente, private Rentenversicherungen oder andere Anlageformen.

Marketing für Reitlehrer

Die beste Qualifikation nützt wenig, wenn niemand von deinem Angebot weiß. Ein durchdachtes Marketing ist deshalb entscheidend, wenn du dich als Reitlehrer:in selbstständig machen möchtest. Dabei geht es nicht nur um Werbung, sondern auch um deine Positionierung: Wer bist du, wofür stehst du, und warum sollten Kund:innen gerade bei dir Unterricht nehmen?

Sichtbar vor Ort 

Gerade im Reitsport zählt der direkte Kontakt. Viele Schüler:innen findest du über Vereine, Ställe oder Pferdepensionen. Persönliche Empfehlungen, ein Aushang am Schwarzen Brett oder ein kurzer Hinweis in Vereinsheften funktionieren oft besser als klassische Werbung.

Online-Auftritt pflegen

Eine Website mit Infos zu Angeboten, Preisen und Kontakt ist Pflicht. Ergänze sie mit Social Media (Instagram, Facebook, TikTok) und einem gepflegten Google-Maps-Eintrag, damit Interessierte dich leicht finden.

Spezialisierung betonen

Wenn du eine besondere Reitweise anbietest (z. B. Western, Voltigieren, Gangpferde), kommuniziere das klar – so hebst du dich von der Konkurrenz ab.

Empfehlungen nutzen

Im Pferdesport ist Vertrauen besonders wichtig. Mundpropaganda ist daher ein mächtiges Instrument: Zufriedene Schüler:innen bringen dir neue Kund:innen. Du kannst das unterstützen, indem du kleine Anreize gibst – zum Beispiel Rabattaktionen für Empfehlungen oder Schnupperstunden für neue Interessierte.

Vorsicht vor Scheinselbstständigkeit

Gerade Reitlehrer:innen, die regelmäßig für einen Verein oder eine Reitschule arbeiten, laufen Gefahr, als scheinselbstständig eingestuft zu werden. Die Folgen können teuer sein – von Nachzahlungen bis zu Bußgeldern. Um Risiken zu vermeiden, solltest du mehrere Auftraggeber:innen haben, eigene Rechnungen stellen und dein Angebot selbst vermarkten.

Tipp: Wenn du unsicher bist, kannst du bei der Deutschen Rentenversicherung ein Statusfeststellungsverfahren beantragen. Damit erhältst du eine verbindliche Einschätzung, ob deine Tätigkeit als echte Selbstständigkeit anerkannt wird.

💡  Weiterführende Lektüre: Wie du Scheinselbstständigkeit vermeidest

Fazit

Sich als Reitlehrer:in selbstständig zu machen, ist spannend, aber anspruchsvoll. Entscheidend sind eine fundierte Ausbildung, eine klare Spezialisierung und ein realistischer Businessplan. Behalte von Anfang an die rechtlichen & steuerlichen Pflichten im Blick, sichere dich mit den wichtigsten Versicherungen ab und plane genug Rücklagen für Steuern ein.

Wenn du mit einem nebenberuflichen Einstieg beginnst, kannst du dein Angebot in Ruhe testen, erste Kund:innen gewinnen und Schritt für Schritt wachsen. Mit guter Planung, Leidenschaft und einer klaren Positionierung kannst du dir so ein stabiles Business aufbauen – und deine Liebe zu Pferden zum Beruf machen.

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Autor - Sophia Merzbach

Sophia ist seit vielen Jahren Teil des Accountable-Teams und verbindet journalistische Genauigkeit mit handfestem Steuerwissen.

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