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Festsetzungsfrist bei der Einkommensteuer: Was du als Selbstständiger wissen musst

Geschrieben von: Robert Jödicke

Aktualisiert am: Juni 11, 2025

Lesezeit: 4 Minuten

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Die Festsetzungsfrist, auch Festsetzungsverjährung genannt, ist eine wichtige Verjährungsregelung im Steuerrecht. Sie bestimmt, bis wann das Finanzamt noch Steuerbescheide erlassen, ändern oder aufheben darf.

Läuft die Festsetzungsfrist etwa bei der Einkommensteuererklärung ab, sind keine Anpassungen mehr möglich – weder zu deinem Vorteil noch zu deinem Nachteil. Wir erklären die wichtigsten Regelungen.

Festsetzungsfrist: Was bedeutet das für dich?

Sobald die Festsetzungsfrist abgelaufen ist, kann das Finanzamt deine Steuerbescheide nicht mehr nachträglich korrigieren. Das bedeutet für dich als Selbstständige:r oder Freelancer:

  • Falls du einen Fehler gemacht hast oder dir eine Steuervergünstigung entgangen ist, kannst du nach Ablauf der Frist keine Änderungen mehr zu deinen Gunsten beantragen.
  • Umgekehrt darf das Finanzamt aber auch keine Nachforderungen mehr stellen.

Die gesetzliche Grundlage hierfür findest du in § 169 der Abgabenordnung (AO).

Weitere Fristen

Neben der Festsetzungsverjährung gibt es noch andere wichtige Fristen im Steuerrecht:

  • Zahlungsverjährung: Diese regelt, bis wann das Finanzamt offene Steuerschulden eintreiben kann.
  • Strafverfolgungsverjährung: Hier geht es um die Verjährung steuerstrafrechtlicher Verstöße, etwa bei Steuerhinterziehung.

Tipp von Accountable: Damit du nicht ungewollt Steuervorteile verschenkst oder in Nachzahlungsfallen tappst, solltest du immer im Blick behalten, wann deine Steuerbescheide bestandskräftig werden und welche Fristen für dich relevant sind.

Was kann man als Selbstständiger von der Steuer absetzen?

Wie lange gilt die Festsetzungsfrist?

Die Dauer der Festsetzungsfrist hängt davon ab, um welche Art von Steuerfall es sich handelt:

  • Allgemeine Frist: 4 Jahre für die meisten Steuern, z. B. Einkommensteuer und Umsatzsteuer.
  • Verkürzte Frist: 1 Jahr bei Zöllen und Verbrauchssteuern (z. B. Biersteuer).
  • Verlängerte Frist: 5 Jahre, wenn eine leichtfertige Steuerverkürzung vorliegt – also wenn du deine Sorgfaltspflichten verletzt hast.
  • Maximale Frist: 10 Jahre bei Steuerhinterziehung.

Wann beginnt die Festsetzungsverjährung?

Die Festsetzungsfrist beginnt grundsätzlich mit Ablauf des Kalenderjahres, in dem die Steuer entstanden ist.

Beispiel: Für das Steuerjahr 2024 startet die Frist am 31. Dezember 2024.

➡️ Steuerbescheid prüfen: Ist deine Steuererklärung richtig?

Festsetzungsfrist: Sonderregelung für Einkommensteuererklärungen

Wenn du eine Einkommensteuererklärung abgeben musst, beginnt die Frist nicht im unmittelbaren Folgejahr, sondern erst mit Ablauf des Jahres, in dem du die Erklärung eingereicht hast. Damit du das aber nicht endlos hinauszögern kannst, gibt es eine maximale Anlaufhemmung von drei Jahren.

Was bedeutet Anlaufhemmung?

Die normale Verjährungsfrist von vier Jahren startet nicht direkt nach dem Steuerjahr, sondern erst, wenn du deine Steuererklärung abgegeben hast – spätestens aber drei Jahre nach dem betreffenden Steuerjahr.

Beispiele:

  • Lisa reicht ihre Steuererklärung für 2021 im Juni 2022 ein. Die Festsetzungsfrist beginnt also erst am 31. Dezember 2022 und endet vier Jahre später – also Ende 2026.
  • Tobias gibt seine Steuererklärung für 2018 erst im August 2023 ab. Da die maximale Anlaufhemmung von drei Jahren bereits 2021 abgelaufen ist, begann die Verjährung automatisch am 31. Dezember 2021 und endet somit Ende 2025.

Ausnahme: Freiwillige Steuererklärung

Wenn du freiwillig eine Steuererklärung einreichst (z. B. um eine Rückerstattung zu bekommen), gilt die Anlaufhemmung nicht. Hier beginnt die Festsetzungsfrist ganz normal mit Ablauf des Steuerjahres. Das hat der Bundesfinanzhof (BFH) in einem Urteil von 2011 bestätigt.

Was bedeutet Ablaufhemmung?

Neben der Anlaufhemmung gibt es auch den steuerlichen Begriff der Ablaufhemmung. Er sorgt dafür, dass die vierjährige Festsetzungsverjährung in bestimmten Fällen nicht endet – das Finanzamt kann also länger auf deine Steuerangelegenheiten zugreifen. In folgenden Situationen verlängert sich die Festsetzungsfrist:

Einspruch oder Klage

Legst du Einspruch gegen einen Steuerbescheid ein, bleibt die Frist so lange ausgesetzt, bis endgültig über den Einspruch oder eine mögliche Klage entschieden wurde.

Antrag auf Änderung des Steuerbescheids

Stellst du kurz vor Ablauf der Festsetzungsfrist einen Antrag auf Änderung deines Steuerbescheids (z. B. weil du eine steuerliche Vergünstigung übersehen hast), wird die Verjährung so lange gehemmt, bis das Finanzamt über deinen Antrag entschieden hat und kein Einspruch mehr möglich ist.

Laufende Ermittlungen der Steuerfahndung

Falls die Steuerfahndung gegen dich ermittelt (z. B. wegen Steuerhinterziehung), verlängert sich die Festsetzungsfrist bis zum Abschluss des Verfahrens.

Fehler des Finanzamts (offenbare Unrichtigkeit)

Hat das Finanzamt in deinem Steuerbescheid einen offensichtlichen Fehler gemacht (z. B. einen Zahlendreher), darf es diesen innerhalb eines Jahres nach Bekanntgabe des Bescheids korrigieren – selbst wenn die eigentliche Festsetzungsfrist in diesem Zeitraum bereits abgelaufen wäre.

💡Hinweis von Accountable: Die Ablaufhemmung kann in bestimmten Fällen dafür sorgen, dass du länger mit Steuerbescheiden oder Prüfungen konfrontiert wirst. Falls du also kurz vor Fristende steuerliche Korrekturen vornehmen willst oder dich gegen eine Entscheidung wehren möchtest, solltest du daran denken, dass dies die Verjährung hinauszögern kann.

Festsetzungsfrist: Wichtige Tipps für Selbstständige und Freelancer

1. Beginn der Festsetzungsfrist bei verspäteter Steuererklärung

Falls du eine Steuererklärung pflichtwidrig gar nicht oder verspätet abgibst, beginnt die Festsetzungsfrist nicht automatisch nach drei Jahren (Anlaufhemmung). Vielmehr kann das Finanzamt die Steuer beliebig lange festsetzen, bis du die Erklärung einreichst oder es anderweitig dazu kommt, die Besteuerungsgrundlagen zu schätzen. Das kann dazu führen, dass du auch nach vielen Jahren noch Nachzahlungen leisten musst.

2. Hemmung der Festsetzungsverjährung bei Steuerstundungen

Falls das Finanzamt dir eine Stundung gewährt, also eine vorübergehende Zahlungsaufschiebung, kann dies auch die Festsetzungsverjährung beeinflussen. Das Finanzamt darf dann unter Umständen länger auf deine Steuern zugreifen.

3. Ablaufhemmung bei Außenprüfungen (Betriebsprüfung)

Für Selbstständige und Unternehmer:innen besonders relevant: Wenn eine Betriebsprüfung angekündigt oder begonnen wurde, läuft die Festsetzungsverjährung nicht ab! Stattdessen wird die Festsetzungsverjährung mindestens bis zum Abschluss der Prüfung ausgesetzt. Das bedeutet: Falls deine Steuererklärung eigentlich bald verjährt wäre, aber eine Außenprüfung läuft, kann sich die Festsetzungsfrist um Jahre verlängern!

4. Steuerhinterziehung kann die Frist auf über 10 Jahre verlängern!

Die maximale Festsetzungsverjährung für Steuerhinterziehung liegt zwar bei 10 Jahren, aber in der Praxis kann sie durch weitere Verzögerungen oder Ermittlungsverfahren sogar noch länger wirken. Das Finanzamt kann in schwerwiegenden Fällen (z. B. durch nachträgliche Entdeckung neuer Sachverhalte) eine erneute Fristverlängerung durchsetzen.

💡Tipp von Accountable: Falls du merkst, dass du in der Vergangenheit steuerlich etwas falsch gemacht hast, kann es sich lohnen, über eine strafbefreiende Selbstanzeige nachzudenken. Damit kannst du Nachzahlungen leisten, ohne rechtliche Konsequenzen fürchten zu müssen.

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Robert Jödicke

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Robert Jödicke ist ein erfahrener Steuerexperte und Autor bei Accountable, spezialisiert auf Steuertipps und Steuerersparnisse für Selbstständige.

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